...ich bin ein geschichtenerzähler aus der welt, berichte aus meiner sicht mit meinen gefühlen und meinen worten...

Samstag, 22. Mai 2010

wo kommt das gold her?

...und so wanderte ich über den aufgeschütteten Müllberg der Goldgräber. Berge von Erdresten türmen sich um mich herum und unter mir die Tiefe, in der stetig nach wertvollen Ressourcen gewühlt wird. Massiv und beeindruckend, wie kunstvoll übereinander platzierte Geröllschichten, stehe ich auf dem Super Pit in Kalgoorlie. Doch was nützen alle Worte, wenn die Bilder fehlen, um zu beschreiben wie sich dieses Gebilde in die Landschaft fügt. Wobei von der Landschaft ist hier nicht viel zu entdecken. Dennoch lohnt sich der Blick auf die Quelle und den Ursprung dieser Stadt - die Suche nach Gold. So hier die Bilder von meinem kleinen Ausflug und ein kurzer Clip, um die Dimensionen zu erfassen...

































Nun zurück in Perth genieße ich das gewohnte Hostel, das fast zu einem kleinen Zufluchtsort geworden ist, der mir in der Fremde einen Hauch Geborgenheit vermittelt. Immernoch ist der Kern der Leute am Start, der seit meiner Ankunft in Australien hier sein Unwesen treibt ;)
Herzlich, lustig und erholsam auf eine andere Art und Weise mit Wein, Musik und lauter Geschichten gewöhnt man sich rasch wieder an das Leben in der Stadt. Ich lass es auf mich wirken und werde sehen, wohin es mich das nächste Mal treibt...
Ich bin wieder zurück in der Zivilisation. Heute ist der 20.Mai. Am Montag, den 10.Mai, bin ich mit dem Zug auf nach Kalgoorlie. Meine Zeit im Outback sollte starten. Das Ticket hat mir Karen, die Frau von der Farm, online bereits bestellt. Früh morgens im Dunkeln gings los. Nach 7 Stunden Zugfahrt kam ich am Bahnhof in Kalgoorlie an. Karen war 5 Minuten später da und sackte mich mit all meinen Gepäckstücken in den Wagen. Im Auto dabei war ihre Freundin Adele, mit der sie selbst wohl gerade von einer Reise kam. Was ich nicht wusste, wir werden weitere 4 Stunden mit dem Auto fahren, um zu der Station in der Wüste zu kommen. Die liegt in Kanandha. Wow. okay, das war kein langer Tag, das wird ein langer Tag. Bevor wir den Weg antraten, musste Karen noch einiges besorgen. Derweil lief ich mit Adele durch Kalgoorlie. Sie zeigte mir historische Gebäude und lud mich durch einen schnellen Rundgang des Goldgräbermuseums.







Das ist nämlich die Geschichte dieser Stadt, die bist heute noch auf den gleichen Ressourcen beruht: Gold, Stahl, Nickel... Minen, sowie zwielichtige Bars und Prostitution. Angeblich kommen hier Studentinnen aus ganz Australien her, weil sie hier keiner kennt, um gutes und schnelles Geld zu verdienen - als Kellnerin oben Ohne (manchmal mit Bikini). Und schwupps haben wir direkt mal in so ein Lokal hineingeschaut. Wir waren die einzigen Frauen bis auf die "Bardame" und wurden daher auch etwas beäugt. Obwohl ich eigentlich schnell wieder raus wollte, überredete mich Adele noch ein rasches Bild von der Frau hinterm Tresen zu schießen... Und, um noch einen drauf zu setzen, setzte ich mich auf die aufgestellten Sattel. Bevor wir noch einen Job angeboten bekommen, waren wir wieder draussen.
(...) Ja Kalgoorlie... eine Stadt, die gar nicht so wirkt wie eine Stadt. Es wirkt wie eine Kulisse aus einem Western. Und, wenn gerade keine Autos vorbeiziehen, erwartet man den Astballen durchs Bild wehen. Am späten Nachmittag holten wir uns noch fix was zu essen, tankten den Wagen und es ging los. Vollgepackt mit Lebensmitteln, als wolle man Hilfsgüter versenden. Ungefähr eine halbe Stunde hat es gedauert den Wagen hinten logistisch korrekt zu packen. So ist das halt, wenn man in der Wüste wohnt. Nach meiner Frage, ob sie das alles jetzt in der kurzen Zeit zusammengesucht hat, guckte sie mich kurz ungläubig an, lächelte und meinte nur, nein das ist bestellt... Karen ist keine Frau der vielen Worte. Dennoch wurde die Fahrt recht unterhaltsam. Gut, ich hab auch Spaß gehabt, wie ein kleines Kind, das man hin und her schaukelt. Adele lässt grüßen:


Die Schotterstraßen im mittlerweile Dunkeln entlang, Kängurus die an einem vorbei hoppen, die Landschaft, die sich immer mehr zum Kargen hin entwickelt... Ich fand´s toll. Obwohl ich sehr müde war und nur noch ankommen wollte, hab ich die Augen aufgerissen, als ob ich alles in mich aufsaugen will, was mir diese Autofahrt bietet. Gegen 11:30Uhr nachts kamen wir dann an. Plötzlich. Ganz plötzlich war da ein Haus. Keine Ahnung wie man sich überhaupt hier zurechtfinden kann, aber ich war überrascht, dass es auf einmal alles so schnell ging. Als ich aus dem Auto ausstieg, mich strecke und nach oben in den Himmel schaute, bekam ich Gänsehaut... Mein Gott, in meinem Leben hab ich noch nie einen so klaren Sternenhimmel gesehen. So klar, dass sie leuchteten wie kleine Brillanten, wie als könnte man jeden Punkt der Milchstraße deuten. Übermüdet, aufgeregt und romantisiert ging man erster Tag zu ende. Ich nahm mein Gepäck und schleppte mich ins Haus. Ein Bungalow, der mich ein wenig an zuhause erinnerte. Manchmal steigt ein wenig Wehmut auf... Der Sohn von Karen, William war im Haus. Ein unnahbarer Mensch, aber freundlich, wenn auch mit noch weniger Worten. Und die, die er benutzt, nuschelt er so gekonnt vor sich her, dass ich Mühe habe etwas daraus zu lesen. Als ich da nun so stand und nicht genau wusste, wohin mit mir und sich Karen und die anderen gerade noch austauschten, bemerkte ich es auf einmal rascheln in einer Ecke. Eine Katze? Hoffentlich nicht... keine Lust auf allergische Reaktionen. Aber Katzen würden hier ja Sinn machen - so auf einer Farm. Ne, es kommt da von dem Stuhl. Da hängt ´ne Stofftüte. Was ist das? William geht hin, greift rein und setzt ein kleines Babykänguru auf den Boden. NEINNNN...Ich konnts nicht glauben. Es schüttel sich... Ist das?... Ja ihr Name ist Heli...Ah... und es hoppst neben Papa William her und macht Schnackgeräusche. Er rührte die Känguru-Milch an, was die kommenden Tage zu meiner Aufgabe werden sollte, und stellte es auf die Wiese, während Heli gierig alles aufschlabberte.










Die Geschichte heißt: Eines Tages ritt William auf seinem Pferd durch die Steppe (keine 2 Wochen her), um die Zäune zu kontrollieren, die die Rinder in dem jeweils für sie gedachten Bereich halten sollen, sowie auch ungewolltes Getier außerhalb. Neben einem Zaun saß etwas kleines und zitterte. Als er abstieg und sich näherte, hoppste ihm das Känguru entgegen - in seinen Kapuzenpulli. Er ließ es dort und machte seine Tour zu ende. Die gesamte Zeit blieb das Känguru in seinem "Beutel" zuhause angekommen, bekam es einen Namen und wurde zum Haustier der Familie.



Wahrscheinlich wurde die Mutter erschossen. Kängurus sind hier in großer Population vorhanden, da sie sich unter anderem aufgrund der verfügbaren Wasservorräte der Menschen, die für die Rinder gedacht sind, mehr vermehren. Das ist gefährlich auch, weil viele Unfälle passieren und, wenn man so will ähnlich wie in einem Wald bei uns in Deutschland, so die Population durch Menschenhand wieder auf ein gesundes Maß gehalten wird. Wilde Kamele und auch wilde Katzen sind hier zudem ein Problem. Ich war jedenfalls so gerührt und einfach nur überglücklich. Ich dachte schon das wäre eine Katze, meinte ich. Nein, war die Reaktion, wir haben keine Katzen diese Viecher, killen alle unserer seltenen Vögel. Okay... Super hier bin ich richtig. Ja willkommen in der Wüste. Hier wissen die Menschen noch was Leben und Sterben im Kreislauf der Natur bedeutet. Hier wissen die Menschen, wie essentiell Wasser ist, wie sie es besorgen, sammeln, aufbewahren, wie sie Tiere beschützen und respektvoll anerkennen und dennoch, dass der Tot dazugehört, hier muss man sich nicht schämen Fleisch zu essen. Hier gehört es dazu. Jeden Tag werden hier morgens früh die Kälber, Pferde, Hühner und das Känguru Heli gefüttert. Danach wird der Wasserstand der Regenwassertonnen geprüft, die Pumpen kontrolliert, die das Wasser zu den Tanks für die Tiere pumpen sowie, ob die Rinder in ihrem Bereich sind, oder ausgebüchst sind.











Hier haben die Rinder Freiheit, Auslauf. Hier gibt es keine Käfige. Sie wissen, wo Nahrung und Wasser sind, den Rest erledigen die Zäune.

Und wenn man die Tiere zusammentreiben muss, weil man welche verkauft oder kranke Tiere aussortiert, dann werden sie zusammengetrieben - "mustering". Auf dem Boden per Motorrad und Pferd und in der Luft mit dem Flugzeug. In ständigem Funkkontakt - ein harter Job. Für ein abgetrenntes Gebiet, braucht es in der Regel einen Tag harte Arbeit. Hier ein Beispiel wie wir durch die Wüste düsen, um die Pferde zusammenzutreiben und zu identifizieren...



Dafür hast du dann aber auch Fleisch auf deinem Teller, dass wirklich biologisch ist, ohne Antibiotika im Körper, ohne gedüngte Planzen... Wenn ich könnte, würde ich mir nur noch Fleisch aus Kanandha kaufen. Selbst als Karen eines Tages mein Woofing-Buch zur Hand nahm, in dem alle Adressen organischer Farmen in Australien für Leute wie mich aufgelistet sind, schüttelte sie den Kopf und zählte auf... nein das ist nicht organisch, was die machen. Diese Farm auch nicht. Und so weiter und so fort. Wer weiß, vielleicht mussten sie das Buch füllen. Es ist schwer und es wird einem zunehmend bewusst, dass wir armen Stadtmenschen, selbst wenn wir wollen, keine wirkliche Chance haben zu erfahren, was gutes Essen ist. Welche Zutaten enthalten sind. Im Endeffekt ist alles Geschäft. Und Geld regiert es. Wer kann sich sicher sein, dass sein biologisches Fleisch, denn von "glücklichen" Rindern stammt. Ja naja ich schweife ab. So sind die Gedanken eben, die einem durch den Kopf laufen. Ein bisschen Ekel und Hass steigt eben auf, wenn man sich unsere Weltkonzerne ansieht. So kontrollieren sie doch schon seit langem unsere Nahrungsinhalte. Langzeitstudien für evtl. Folgen kann´s ja nicht geben, bei Produkten, die seit 3 Jahren lecker und gern gegessen werden. Ja. ach und Obst und Gemüse ist mit all seinen Pestiziden nicht weniger angenehm. Nur mal so am Rande...

Wie dem aber auch sei... meine Tage vergingen, wie im Flug. Es war angenehm mal ohne Telefon und Internet, einfach ohne Kontakt zur Außenwelt für sich zu sein und sich jeden Tag um Heli zu kümmern und Wäsche zu waschen. Das waren nämlich meine Hauptaufgaben. Ein Nest von toten Ratten im Wäscheschrank und alles ALLES musste gewaschen werden - non stop. Nebenbei hab ich mit Adele noch den Laminatboden aus der Küche rausgerissen, Feuerholz für den Beuler gesammelt, Wassertanks kontrolliert, sowie die Pumpen der Windräder, abgewaschen und Blumen gegossen. Und das Glück war auch auf meiner Seite. So konnte ich die seltenen Vögel sehen - Blue Bonnet - einen riesigen Adler, der sich eines Tages am Rande des Gartens niedergelassen hat, Emus, Kängurus und natürlich die unglaublich beeindruckend und vielfältige Landschaft und Natur der Wüste.

































































Es ist unglaublich wie befreiend und stressfrei diese Tage waren. Ich konnte meine Akkus wieder aufladen, meinen Gedanken ungestört nachhängen, die neuen Eindrücke auf mich wirken und mich verzaubern lassen. Vielleicht liegt es daran, dass ich die Erwartung hatte, dass mich nicht viel erwarten wird in meiner Wüstenzeit. Ich dachte, da gibt´s nicht viel. Was soll da sein? Ein paar Bäume vielleicht, Sand... vielleicht sehe ich ein Känguru. Und da kommen sie...

Ich war neugierig, aber ich hatte keine konkreten Vorstellungen. Und genau deshalb war ich auch so gierig alles zu sehen und zu erleben, was es gibt. Ich bin überrascht sehr überrascht, wie vielfältig diese Natur ist. Richtig war es schon: ein paar Bäume und Sand. Aber da ist viel mehr. Das Licht, die Sonne, die Schatten, der Wind, die Wolken, die Tiere, die Stimmung, die kleinen Details, die Spuren im Sand, die durstige Erde, das rauschen der Blätter, das Rattern des Wagens auf den unbefestigten Straßen, das Gefühl der Freiheit, der unendliche Horizont, das Gefühl ewig rennen zu können, Dinge auf dich zukommen lassen, beobachten, wie sich die Umgebung verändert, was sie in dir bewegt, durchatmen – eine Wanderung durch die vielfältigen Stillleben der Natur und sich selbst lebendig fühlen.

Eigentlich waren 2 Wochen geplant. Aber aufgrund der Tatsache, dass ich nicht weiß, wie ich in die Stadt gelangen soll, ohne viel Geld für einen Zug zu zahlen, der 2x die Woche kommt und unglaublich Lange braucht, nutzte ich die Chance und bin gestern mit Karen und Adele zurück nach Kalgoorlie. Adeles Aufenthalt war zu ende und ihr Flug ging zurück nach Perth. Ich bin also seit gestern wieder in Kalgoorlie, der Goldgräbersiedlung. Und als wir wieder auf geteertem Weg fuhren, begegneten wir noch einer dezimierten Emu-Familie:

Mein Zug nach Perth geht morgen Nachmittag. Und aus reiner Neugierde und aus Spaß an der Freude mache ich heute eine Tour zum Super Pit - die größte, offene Goldmine Australiens, ca. 3,5km lang, 1,5 km weit und 400m tief. Ungefähr 800.000 Gramm aus Gold werden jedes Jahr produziert... to be continued

Mittwoch, 5. Mai 2010

ach bevor ichs vergess...

Also das darf nicht untergehn... Kulin... wir waren ja nur Frauen und da haben wir uns zum Abschied Bärte angemalt... Ach, weils so schön war, damit durch den Ort zu watscheln...
Das will ich nicht vorenthalten... Hier sind se:









































Und zum Abschluss dieses Kapitels: Ein Bild zur Erinnerung an den kleinen süßen Tinny und ein Bild aus Dank an die Erfindung des Fliegennetzes

Dienstag, 4. Mai 2010

zurück in Perth

So... seit Freitag, den 30.04. sind wir nun wieder zurückgekehrt in die Stadt.
Ein kontrastreiches Erlebnis von der leeren Weite, Ruhe und Einfachheit zurück in das Gegenteil.
Ist schon toll, was man hier alles in so kurzer Zeit allein erleben kann. Man wird viel dankbarer für Dinge, die man täglich als gegeben erwartet. Ich finde auch den Unterschied merkwürdig, wobei ich ihn noch nicht richtig in Worte fassen kann, dass ich nicht nur die Orte unterschiedlich wahrnehme, sondern auch mich selbst in ihnen. Also man verhält sich anders. Oder ich. Aber es gibt nicht viele Leute die das aushalten. Ich teste mich noch, aber ich glaube ich kann das ganz gut auch mal dieses nichts ertragen. Und mich auf mich zu besinnen. Ohne Ablenkung. Mal keine Menschen. Hat doch was. Nicht, dass ich in so einem Ort leben könnte auf Dauer... Dafür bin ich auch zu kommunikationsfreudig :) Aber trotzdem ne ganz spannende Sache. Ich erinnerte mich an so viele Dinge, die ich gar nicht mehr auf dem Schirm hatte.
Also genieße ich jetzt erstmal wieder die Zivilisation, schmiede Pläne wie die Reise für mich weitergehen wird und was für persönliche Wünsche ich überhaupt mit ihr verbinde. Eins ist klar, was ich schon immer mal als kleines Kind schon wollte: Reiten. Also hoffe ich, dass mich mein Farmjob, der nächste Woche beginnen soll, dazu bringt. Ach es ist schon schön...
Und damit noch ein bisschen mehr Feeling in dieses Post kommt noch ein schönes Bild von dem Kakadu, der immer so treu auf dem Fahrrad sitzt. Und, weils so schön ist noch eins... und noch eins? Naja mein liebes Online-Post-Tagebuch-Mix wir haben uns bald wieder und dann teile ich mit dir und dem Rest der Welt, die sich auf diese Seite verirrt weitere Ergüsse...