...ich bin ein geschichtenerzähler aus der welt, berichte aus meiner sicht mit meinen gefühlen und meinen worten...

Samstag, 12. Juni 2010

das spiel des farmers

Das Leben auf einer Farm gleicht doch einem Spiel - einem Investment Spiel, das vor allem auf Glück basiert. All das, was in die blühenden Felder investiert wird... von Saat, Pestiziden, Dünger, Werkzeugen, Ersatzteilen, Geräten, Benzin, Arbeitern, Zeit, Nerv und Geld... alles hängt letztlich ab von der Gewalt und der Güte der Natur! (Hier ein Bild unserer "Tankstelle")

Gerade hier im trockenen Australien kann gerade all diese Hoffnung durch Stürme und das Ausbleiben von Regen zerstört werden. Man sieht jetzt schon, dass benachbarte Felder stellenweise zu früh bespritzt wurden und dennoch Zeug herauswächst, was es nicht sollte. Oder, dass es vereinzelt zu wenig Regen gab und die Felder kahl sind.
Klingt nicht berauschend? Hmm... Ist es auch nicht immer. Aber wie Vieles im Leben ist es vielleicht genau diese Herausforderung, die reizt.
Den Farmer Barry haben diese Umstände zu einem Multifunktionalen-Farmer und auch Meteorologen gemacht...
Hier ist Barry mit seiner Frau Karen:

Multifunktional, weil er gerade wegen dieser Unberechenbarkeit nicht nur auf die Felder setzt, sondern auch auf die Schafe und so Fleisch und Wolle verkaufen kann und auch Bäume auf Bestellung auf seinem Grundstück pflanzt.

...ja manchmal fühle ich mich wie in einem überdimensionalen Siedler-Spiel...
Apropos Wolle, der größte Kunde ist??? Genau ein Asiat und der Großteil der Wolle geht ab nach China – the world is connected! Ich meine gut, am Ende geht’s nach dem best price Prinzip. Sind wir nicht alle ein bisschen käuflich? (...)
Ja und er prophezeit in einem dezent weißen Strich fern am Horizont einen wilden Sturm emporkommen, den er aufgrund der Windrichtung an uns vorbeiziehen sieht. Aus ein paar niedlichen Wölkchen wird in seinen Augen alsbald ein schwarzer Brei, der uns den ersehnten Regen schenkt. Und all das passiert und ich staune.


Später schaltet man im Fernsehen den Wetterkanal an, um die Bestätigung zu bekommen, dass der Sturm weiter nördlich für Unfug gesorgt hat. Sturm heißt hier nur nicht immer Regen. Vor allem in der Sommerzeit, so erzählt mir Barry, kann es selbst ohne jeglichen Wind stellenweise gruselig werden und man muss im Haus bleiben, wenn kleine dunkle Wolken an der Himmeldecke vorbei schweben... Da kommt dann einfach so – ohne Vorwarnung – ein Blitz herausgeschossen, schlägt auf dem Boden ein und, wenn man Pech hat, brennt der die ganzen Felder nieder. So ein Sommerblitz sei hier zum Glück noch nicht eingeschlagen. Ein Blitz hatte hier Anfang diesen Jahres einen riesigen Wassertank samt Windrad vernichtet und in seine Einzelteile zersprengt. Ich habe Respekt. Das Resultat hab ich gesehen. Ich wurde schon unterrichtet, dass ich bei Gewitter nicht Hände waschen, abwaschen, Zähne putzen, duschen, telefonieren oder fernsehen oder das Haus verlassen darf.
Klingt alles spannender als es ist, denn ein Sturm zu erleben wäre toll. Und nachdem wir nun mit dem Verstreuen der Saat fertig sind, wird wieder sehnsüchtig nach Wasser am Himmel Ausschau gehalten. Und ich hoffe für die beiden, dass es kräftig schütten wird, damit all das Lotto spielen hier auch seine Früchte trägt. (…)
Ja wird sind mit dem Sähen fertig! Auch so eine interessante Erfahrung, dass der Weg zum Ziel insgesamt länger ist, als ... der Aufenthalt am Ziel, wenn man so will... Denn seit meiner Ankunft arbeitet Barry mit mir daran den Traktor für das Sähen einsatzbereit zu machen. (dreckig werden , schwitzen und abends mit Muskelkater ins Bett gehen ist Tagesordnung ;) Als er das dann wirklich endlich war, waren wir nach einem Tag Arbeit mit der Saat durch!
(risiege Zaehne)

Gut dies verdanken wir der Unterstützung der Nachbarn, die die Felder mit bearbeitet haben. Dennoch waren das trotzdem insgesamt knapp 3,5 Tage an denen hier getraktort wurde, wenn ich das mal so sagen darf... Dagegen über zwei Wochen hinzuarbeiten auf das Startsignal. Manchmal, wenn ich hier so mit dabei bin alles ready zu machen, komm ich mir so vor wie bei dem Kinderlied „Ein Loch ist im Eimer“ - kennt das noch wer? Naja jedenfalls kann ich stolzen Hauptes berichten, mich ganz gut geschlagen zu haben. Nach meinen ersten Runden habe ich mir das riesige Gerät gefügig gemacht und bin keine (oder nur geringfügig) Schlenker mehr gefahren! Im Durchschnitt wurde mit 9 km pro Stunde die Koppel beackert. Hier ein paar Bilder :)




Und auch ein kurzer Clip zum Beweis:



Ja jetzt wo wir damit durch sind weht ein ruhigerer Wind – vorerst! Ab nächster Woche werden die Schafe geschert. Und soweit ich das verstanden habe handelt es sich dabei um einen „back breaking job“ Wir werden sehen. Ich werde berichten. Bis dahin werden die Schafe wieder umgeschichtet und auf andere Felder getrieben und die weiteren Vorbereitungen, für dieses mein nächstes Event, werden anfallen. Geschätzt werden wir 1,5 Tage brauchen für ca. 800 Schafe. Und jeder Tag offenbart neue Löcher im Eimer ;)

Achso bei der Gelegenheit möchte ich mich noch korrigieren. Im letzten Eintrag sprach ich davon, dass die nächste Stadt ca. 20 min entfernt liegt. Das ist soweit richtig, nur handelt es sich dabei um das Wort „town“, das ich hier eher mit Vordorf übersetzen würde.
So und nicht viel anders sieht das nämlich aus:

1 Kommentar:

  1. miss anne-farmerin :-)

    "wo ist denn deine mama? - vom traktor überfahren - und wo ist dein papa? - vom traktor überfahren. - und was machst du den ganzen tag? - traktor fahren.."

    hihi

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