...ich bin ein geschichtenerzähler aus der welt, berichte aus meiner sicht mit meinen gefühlen und meinen worten...

Samstag, 20. November 2010

es ist soweit

der Countdown läuft... rennt...zieht mich ungefragt mit sich. Ein halbes Jahr Farmleben und der Abschied rückt nahe. Ja so ist es. Es gab gute und schlechte Zeiten, ich hab tief aufgeatmet und die Luft oft angehalten, ich hab gefroren und geschwitzt, im Dreck gewühlt und mich von oben bis unten mit Motoreöl eingekleidet, sowie die lustigste Halloween-Party auf dem Land gefeiert...



Ich habe Schafe gejagdt, markiert, getagged, die Hörner abgeknippst, sie geschlachtet, gehäutet, gegessen, in Trucks verladen, von ihren Schwänzen befreit, sie geschoren, Fließe geworfen, Wolle gepackt, bei Geburten geholfen, tote Schafe in den Busch geworfen...



... Lämmer gefüttert, Tränken ausgewischt, Zäune aufgebaut, Windmühlen repariert, Bäume geplanzt, Chemikalien gespritzt, Mechaniker gespielt und dabei Vokabeln für Werkzeuge gelernt, deren Name ich nicht mal im Deutschen kenne, Hühner an den Füßen hin und her geworfen...


... einen Kakadu mit meiner Windschutzscheibe getötet, Kängurus aufgezogen, Adler neben mir landen sehen, Wasser gepumpt, Holz gehackt, Feuer gemacht, australisches Essen gekocht, Rezepte gesammelt und Gourmnet-Pfunde angesetzt...





Ich war von Saat bis Ernte dabei, bin jeden Morgen früh aufgestanden, hab die Hühner gefüttert, Eier eingesammelt, dem Hund nen Knochen zugeworfen mit unserem Hausschaf Rosi gesprochen, mit dem Pickup oder dem Bike gefahren, hab alte Felder niedergebrannt, bin Traktor gefahren und hab Acker bearbeitet, sitz nun im Mähdrescher und ernte das Getreide.











Ich hab das karge Nichts gesehen, das sich langsam zu lichten grünen Stellen entwickelt, bis hin zu den farbenreichsten Wildblumen am Straßenrand.






...die bittere Kälte in der Nacht und die lähmende Hitze am Tag, die mir immer wieder das Brett vor den Kopf schlägt. Ich habe zum erstenmal bei 25 Grad gefrohen, weil die Temperatur um 20 Grad innerhalb weniger Stunden gefallen ist. Das Wetter hat mir Stürme, Windhosen, Gewitter, Hagel, Sonne, Regenbögen und vieles mehr beschwert.


Und ich bin wehmütig, wenn ich den Tag des Aufwiedersehens langsam und immer schneller auf mich zukommen sehe, an einem Ort, der für mich langsam zu einem Zuhause geworden ist.




Und ich fühle mich reif nach einem halben Jahr Linksverkehr und Wildleben auf Sand und Schotterstraßen bei Tag und Nacht nun meine eigene Reise zu starten... IN MEINEM EIGENEN AUTO!!!! JAHAAA... ich habs getan. Darf ich vorstellen, hier ist Jack mein neuer schnittiger Reisebegleiter:



... nun muss ich nicht nur mich, sondern auch Jack durchbringen :) Ahoi und Grüße an all meine Lieben, ich drück euch ganz fest und nehm euch alle mit in meinem Herzen!

Die Anne

1 Kommentar:

  1. oh anne, wenn man diese zeilen liest, wird man gleich auch wehmütig ... ein wenig juckt das fernweh und ganz leise flüstert der neid "so etwas, würde ich auch gern erleben" ... mit einem verklärt romantischen blick von außen, zusätzlich mit der ersten weihnachts-schnee-sentimentalität angereichert, lesen sich deine zeilen so schön, so fremd, so nah, so unwirklich - eben so, wie in einem buch. ich hoffe so sehr, dass es dir gut geht!

    wir denken an dich!
    :-*

    AntwortenLöschen