Ich liege im Bett und kann nicht schlafen. Es kreist in meinem Hirn. So viel Vorfreude und.. ja ein bisschen Schiss... Die Freude muss man, glaub ich, nich erklären, der Schiss kommt wohl von der Freiheit und der stetigen Ungewissheit. Ich hatte das noch nie so richtig so halt. Frei sein. Im Dschungel der Möglichkeiten baden gehen. Da ratterts im Kopf.. Ja stimmt ich brauch ja keine Übersicht, ich leb einfach mal nur jetzt! No Worries – ich sachs mir immer wieder! Ist auch schön sich selbst in den Hintern zu treten :) Biste umzingelt von Dingen, die du nicht kennst, lernste dich vielleicht selbst besser kennen. Ja.
Whatever. Jedenfalls. Wieder einmal geht es bald für mich los. Bald lass ich das bekannt gewordene Unbekannte hinter mir um ins unbekannt gebliebene Unbekannte aufzubrechen. Um den 13. rum geht’s zurück zur Basis Perth. Ich überlege nach 8 Monaten mal wieder nen Haarschnitt machen zu lassen. Aber irgendwie gefällt mir auch der Wildwuchs auf dem Kopf. Um die Beine zu rasieren ist genug Zivilisation vorhanden. Ich schweife wieder ab.
Was ich sagen will ist... für mich ist es immer wieder was Besonderes, Einzigartiges, Großes. Jeder Schritt, jede neue noch so kleinste Station auf der Karte Australiens. Ich auf einem anderen Kontinent, weit weg mit Sommer im Wintermonat. Großes Kino in meinem Kopf. Freiheit und Abenteuerlust. Fantasien über gruselige Momente und Gefahren, sowie pure Romantik und Naturverbundenheit holen mich regelmäßig wieder ein. Deswegen biste ja auch da unten, mögt ihr sagen. Ja... naja...
Das Ganze in Australien ist nur leider irgendwie so... als würde man seine Jungfräulichkeit bei einer Prostituierten verlieren. Für dich ist es das erste Mal, alles neu, unverbraucht – du der Entdecker, doch vor dir waren und sind schon viele da. Überall wimmelt es von Touristen und die Deutschen an der Überzahl. Und ähnlich wie im Puff, trifft man sie hier dauernd beim raus und reingehn - die Traveller im Hostel. Möchtest du deinen eigenen Fantasien nachhängen und dein Abenteuer unbeeinflusst auf dich zukommen sehen, geh Ihnen aus dem Weg. Und viel Glück dabei. Doch andererseits hängt man gegenseitig den Geschichten nach, macht sich Mut und gibt sich Tipps, damit man sich auf der großen einsamen Reise eben doch nicht so verloren vorkommt und wird zu Freunden.
Doch ich muss mich entschuldigen, denn der Vergleich hinkt und ist dabei auch dreckig.
Reisen ist ja nicht wie purer Sex (gegen Bezahlung), Reisen ist Liebe (in die man freiwillig investiert). Sie entflammt ungeahnte Kraft, Mut und Neugier in dir. Da ist kein Platz für Zweifel, wenn man sich nach vorne bewegt. Und mit jedem deiner Schritte und jedem deiner Blicke eroberst du mehr Stück Land und machst es dir zu eigen. Denn du mit all dem woher du kommst machst selbst den touristenreichsten Kontinent zu deiner eigenen Insel. Dabei blendest du aus, wer vorher schon alles hier war oder dir gerade sagt, was du zu erleben hast - das ist dein Moment.
Irgendwie muss ich grad lachen, weil ich an den alten McLuhan denken muss. Wer kann ihn vergessen, liebe Studienfreunde? Die Welt als Dorf und man stößt immer wieder auf ihn. Dabei will ich gerade einfach nur schlafen. Traurig. Du liegst in Australien im Bett und denkst an sowas. Der Punkt ist! Tourismus hin oder her, du kannst sein wo du willst, aber bist du je weg?! Verfügbarkeit... Das hat was Beruhigendes, ist aber irgendwie auch nervig, weil es dich zwischen den Zeilen doch immer in ne unangenehme Erwartungshaltung zwingt, dass man was von dir hört. Zu Zeiten des Internets zählts nicht wo du bist, es zählt was du im Netz hinterlässt. Ich glaub das ist der Grund warums mich in die Wüste zog. Die Woche war härter als ich dachte, denn auch ich konnte mich ja nicht vergewissern wie es meinen Leuten geht. Wer hat es das letzte Mal und für wie lange getan? Kein Kontakt? Alter Schwede. Das ist wie ne Familie, die jeden Abend fernsieht. Fällt der Strom aus, fangen sie an zu reden. Ich hatte keine Möglichkeit mich abzulenken, an anderen Storys teilzuhaben oder für andere Storys zu schreiben, es war einfach nur ich und mein Hirn im Irgendwo. Und da konfrontiert dich dein Unterbewusstsein plötzlich mit internen Filmen, die dir aufzeigen, was du vielleicht nicht sehen willst. Wo du vielleicht dachtest, dass es da gar nichts zu sehen gibt. Ich glaub einfach ich brauchte Zeit für einen unbeeinflussten Monolog ohne das Gefühl von Zeit oder Stress. Die Flucht vor der Verfügbarkeit sozusagen. Ich hatte keinen Nerv mich immer wieder aufs Neue darszustellen. Und jetzt hab ich wieder Lust drauf. Energie ist getankt! Ja wer weiß. Neuer Haarschnitt dann! Ich muss sagen, ich freu mich jedesmal wie n Keks, wenn ich was von euch daheim höre! Da geht mir buchstäblich das Herz auf! Danke hier dafür, dass ihr immer an mich glaubt!
Vielleicht kann der ein oder andere diese Gedanken ja nachvollziehen.
Und vielleicht kann ich wenigstens am Ende dieses merkwürdigen Eintrags noch ein bisschen Abenteuerfeeling vermitteln...um ein bisschen Spannung zu vermitteln...hhhmmm...kurze Anekdote?
Vor drei Tagen ist ein Mann in einem der 400 Kilometer entfernten Nachbardörfer der Westküste Australiens vor seinem Computer sitzend von einer Kings Brown (Schlange) gebissen worden. (Der Computer ist hier nur Ort des Geschehens und keine Message)
Dieses Tier ist so giftig, dass man sich nur vor einem Krankenhaus von ihr beißen lassen sollte, da innerhalb von 20 Minuten Gegengift gespritzt werden muss. Gegengift ist illegal, insofern nicht zu kaufen, also der Durchschnittsfarmer hats nicht auf Lager. Der arme Mann hat es noch zum Nachbar geschafft und ist dann gestorben. Was soll man dazu sagen. Meine Gasteltern sagen, bau halt kein Haus auf flachem Grund – muddu auf Stelzen baun. Wir haben Stelzen! Und für alle besorgten Familienangehörigen, die diesen Blog verfolgen darf ich hinzufügen auch sehr viele Katzen, einen Hund und Echsen im Garten, die alle dafür sorgen, dass Schlangen Distanz halten. Oder wir wachen eines Tages auf und sie sind alle tot! Muhaha... dann werden wir wohl auf den Küchentisch klettern... Zweitens ich zieh bald weiter, gen Süden.. da is nich wirklich viel Giftiges. Und drittens Anne hat auch ein kleines Tierbuch gekauft, auf der Farm gelernt und schon eine Schlange getötet!... Ja ich liebe Tiere immer noch! Das ist so ähnlich wie mit der Freiheit, die man seinen Mitmenschen zugesteht – tu was immer du willst, solange du mich nich in meiner Freiheit einschränkst. Böse Schlange, jetzt ist sie tot. Instrument – Besenstiel und ich hab auch mehr assistiert als getan und selbst beim Assistieren bin ich mehr zurückgeschreckt als eine Hilfe gewesen – zu groß ist der Respekt vor einer sich kräuselnden giftigen Schlange kurz nach ihrem Winterschlaf. Mir wurde verraten, dass sich da das Gift im Körper schön aufgebaut hat, damit die ersten Angriffe nach dem Aufwachen direkt zur Nahrung werden. Auf den Punkt gebracht: Jetzt sind die Schlangen am gemeinsten. Ich würd ja auch gern was zu den Spinnen sagen, nur bin ich von den Schlangen einfach etwas mehr fasziniert und seh sie auch öfter. Meine australische Freundin Kara, die ich übers Wochenende besucht habe, hat eine Redback Spider als Haustier in einem gewöhnlichen Marmeladenglas. Oben im Deckel sind einfach lieblos ein paar Löcher hineingestochen. Gefüttert wird sie mit anderen Spinnen, Fliegen und Käfern. Als ich da war, haben wir eine andere Redback unterm Haus gefunden und sie mit hinzu geworfen. Eigentlich werden sie nur aktiv, sobalds Lichts ausgeht, doch der Raum war wohl gering genug um bei dem Giftspritz-Kampf zuzusehn. Gewonnen hat – oh Wunder – die Größere von beiden – die Neue. Menschen reagieren wohl unterschiedlich bei einem Biss, je nach Größe der Spinne. Es kann schon sein, dass man ins Krankenhaus muss. Ich wills nich versuchen. Mutproben in Australien wären bestimmt eine Spur zu hart für mich.
Ich weiß nicht was grundsätzlich so durch das Nachrichtensieb nach Deutschland kommt, ob man von den vielen Flüchtlingsbooten hört, die die Bevölkerung langsam empören aus Angst vor Überflutung, Benachteiligung und fehlendem Respekt oder von den Jungs in den eingestürtzten Mienen, von der Australierin, die den Skydive nicht überlebte oder von den Konflikten zwischen den Einheimischen und den Ureinwohnern und und und...
Jedenfalls – so scheint es – haben wir hier den Anfang einer „weißen Hai“ Plage. Darüber lässt sich streiten... Die Angriffe häufen sich, Berichten in Tageszeitung und Fernsehn zufolge. Im letzten Monat habe ich 3 davon verfolgt. Einer ist gestorben. Surfer, verblutet, junger Mann. Perth am Strand - da waren wir auch! Ich würd da nich mehr so gern schwimmen gehen. Ich hab selbst nen deutschen Artikel gelesen da stand drin, dass die Wahrscheinlichkeit für Angriffe sehr gering ist und kein Grund bestünde einzuschreiten, Tiere verirren sich. Während hier zu lesen ist, dass wir angeblich eine zu dokumentierende Überpopulation an weißen Haien haben. Ich find das alles sehr spannend. Nur zu schade, dass ich kein Biologe bin. Ich überlass die Debatte hiermit den Experten ;)
Die kurze Anekdote ist nun länger als der eigentliche Text geplant war. Aber irgendwo ja auch ein wenig typisch für mich, ne? Also... ein Hauch aus meiner Welt wird hiermit ins Netz geblasen.. es berichtete Jane aus dem Tarzanland. Alles grün im Busch. Das Schreiben hat mich auch gut müde gemacht.
Danke fürs Zuhörn liebes OnlineTageBuch!
Ich mach jetzt die Augen zu und in Gedanken drück ich euch ganz fest!
Gute Nacht Deutschland
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